Paraguay - Umweltstaatsanwalt José Luis Casaccia – „Wir müssen S.O.S. senden.“
Als schändlich und ekelhaft bezeichnete Umweltstaatsanwalt José Luis Casaccia die unter den Funktionären des Nationalen Forstdienstes (SFN) herrschende Korruption. Nur drei der staatlichen Funktionäre sollen nicht als Förderer an der irrationalen Ausplünderung der paraguayischen Wälder beteiligt sein. „Wir müssen S.O.S. senden, um die geringe Fläche von 800.000 ha Wald zu retten, die uns noch bleibt, die aber beim gegenwärtigen Rhythmus (der Abholzung) in 5 Jahren verschwinden würde“, erklärte Casaccia.
„Ich habe enthüllende Beweise über Wiederverwendung von forstwirtschaftlichen Frachtbegleitpapieren, über Kungeleien und Schmiergelder, die SFN-Funktionäre, Polizeibeamte und Beamte der Fernstraβenpolizei des Ministeriums für öffentliche Bauten betreffen. Das sind nur einige niemals enden wollende Unregelmäßigkeiten, die den Nationalen Forstdienstes (SFN) kennzeichnen.“
Ein Beispiel, die Wiederverwendung von Forst-Frachtbegleitpapieren: diese Dokumente autorisieren den Eigentümer und das gegebenfalls beauftragte Fuhrunternehmen zum Fällen und Abtransport der Baumstämme gegenüber den Forstkontrollpunkten. Normalerweise werden diese Begleitdokumente an den Forstkontrollpunkten abgestempelt und erfasst. Für ein Schmiergeld, welches sich zwischen 50.000 und 150.000 Guaraníes pro Forstkontrollpunkt bewegt, werden die Dokumente nicht abgestempelt und erfasst. So können diese Begleitpapiere mehrmals oder immer wieder verwendet werden.
Als Beispiel führte Staatsanwalt Casaccia den Fall einer Umweltstraftat an, bei der mehr als 200 Hektar Waldfläche vernichtet wurden. Ein Funktionär der staatlichen Forstbehörde (SFN) verlangte von den Tätern 40 Millionen Guaraníes, um die Umwelt-Staatsanwaltschaft nicht rechtzeitig zu informieren.
Staatsanwalt Casaccia fügte hinzu, dass der Nationale Forstdienst seit 34 Jahren die Vernichtung unserer Naturressourcen, die Korruption und die Schattenwirtschaft im Forstbereich mittels seiner Funktionäre und Distriktleiter decke und verheimliche.
„Die einheimischen Wälder werden in verschiedenen Zonen rücksichtslos abgeholzt, aber die SFN-Funktionäre sehen angeblich niemals etwas davon, in einigen Fällen sind sie es selbst, die den Eigentümern vorschlagen, die Bäume zu fällen, um sie anschließend weiter zu verhökern, das ist die übelste Widerwärtigkeit an Korruption!“
Andererseits hat der hierzu befragte SFN-Leiter Elvio Enciso erklärt, dass er mit Staatsanwalt Casaccia zusammenarbeite, um die Institution transparent zu gestalten. Er schloss die unrechtmäβige Bereicherung einiger Funktionäre nicht aus, die Rinderfarmen und Luxusfahrzeuge besitzen. Er schätzt, dass das SFN über 280 Funktionäre verfügt, von denen 35 technische Spezialisten sind.
Als 1973 das SFN gegründet wurde, um die natürlichen Ressourcen zu schützen, soll es in der Ostregion ungefähr 4 Millionen Hektar einheimischen Waldbestand gegeben haben, nach neusten Erkenntnissen gibt es jetzt nur noch 800.000 Hektar. Eine dringend benötigte Wiederaufforstung fand bisher nur auf 40.000 Hektar statt.