Die Holzmafia in Paraguay - Teil II

Ein Umweltverbrechen mit weit reichenden Folgen - ein Artikel
von
Alice Neufeld von Brandenstein.

Fortsetzung des Artikels vom 08.August 2007

AN: Herr Staatsanwalt Casaccia, es wird weiter abgeforstet, Wälder werden abgebrannt, welche Rolle spielen die staatlichen Institutionen dabei und nach welchem System wird bei diesem Umweltverbrechen vorgegangen?

Sr. Casaccia: Umweltverbrechen sind auf der ganzen Welt gleich. Nehmen wir das Beispiel von Griechenland. In Griechenland dürfen bewaldete Flächen nicht bebaut werden, also wird ein Brand gelegt, nachdem alles abgebrannt ist, verlangen die Bauunternehmer eine Baugenehmigung, weil eben schon alles abgebrannt ist. Also ist der Brand eine direkte Folge der Immobilienspekulation.

In Paraguay wird in ähnlicher Weise vorgegangen. Wälder werden in Brand gelegt, um nachfolgend die kahlen Baumstämme, deren Rinde nur angekohlt ist, zu entnehmen. Diese werden dann mit einem sehr guten Profit an die umliegenden Sägewerke verkauft. Die Sache läuft folgendermaßen: Für alte, angebrannte und gereifte Stämme erteilte früher der SFN (Servicio forestal nacional) Ausfuhrscheine. Mit dem gelegten Waldbrand wird die Baumrinde der Bäume angebrannt, damit wird die gesetzliche Voraussetzung erfüllt, die Bäume legal zu entnehmen. Anschließend verlangt der Waldbesitzer von der SFN eine Exportgenehmigung (guías) und erhält sie auch. Das Ganze ist also nur ein großes Geschäft. Genau dieses Geschäft, das derzeitig in Concepción und San Pedro auf Hochtouren läuft, zeigen wir jetzt an.

In der Umgebung von Puentesiño besteht eine Waldreserve von ca. 100.000 Hektar, von welchen die landlosen Bauern das Holz durch Brandrodung entnehmen möchten, um es zu verkaufen. 1940 hatten wir 10 Mio Hektar Wald und heutzutage kaum noch achthunderttausend; 92% der Ländereien der Ostregion wird für die Land/Viehwirtschaft genutzt, und nur 8% ist noch Wald. Trotzdem werden weiterhin Waldbrände gelegt und bewaldete Ländereien durch landlose Bauern besetzt.

Ein auffälliges Merkmal zeichnet seit geraumer Zeit die Institution INDERT (Instituto Nacional de Tierras) aus. INDERT vergibt an landlose Bauern hauptsächlich staatliche Waldflächen, anstatt ihnen die schon gerodeten Ländereien zuzuweisen, von welchen zurzeit mehr als 2 Millionen Hektar zur Verfügung stehen. Ein merkwürdiger Umstand, dem wir intensiv nachgehen .

AN: Die SFN ist derzeit in der Schusslinie der Umwelt-Staatsanwaltschaft. Was sind die neusten Ermittlungserkenntnisse?

Sr. Casaccia: Bei der Hausdurchsuchung der SFN haben wir entdeckt, dass seit vielen Jahren die Ermittlungsverfahren nicht abgeschlossen und keine Strafanzeige weitergeleitet wurde. Den Besitzern wurde bis zum heutigen Tage eine lächerliche Geldstrafe von 500.000 Gs auferlegt (die 1976 bestimmt wurde, als 500.000Gs. noch sehr viel Geld war), und das Ermittlungsverfahren blieb weiter unbeachtet liegen. Jetzt aber, nachdem wir Kenntnis von den Praktiken des SFN erhalten haben, werden wir alle noch nicht verjährten Fälle vor Gericht bringen. Wir ermitteln ohne Ansehen der Person gegen Besitzer und auch gegen Staatsbeamte, denn Letzteren obliegt bei Umweltverbrechen die unmittelbare Anzeigepflicht. Aus diesen Tatsachen geht also hervor, dass die Institution SFN, die zum Schutz der Wälder geschaffen wurde, sich bisher nur der Abforstung und den korrupten Nebengeschäften gewidmet hat.

Die INDERT und SFN, die bisher bei der Ausführung ihrer gesetzesmäßigen Aufträge gar keine Umweltkriterien angewendet haben, stehen also jetzt unter unserer Intervention, damit dieser Mangel ein Ende findet.

AN: Der Schaden ist gemacht, die Umweltsünder einzusperren, ist das die Lösung?

Sr. Casaccia: Nein, zurzeit sind wir in der Ostregion an Flüssen und Bächen tätig, wo schon einige Schäden bemerkbar sind. Wir werden die Landbesitzer für die Wiederherstellung der verseuchten Gewässer in unsere Arbeit mit einbinden; sollten sie nicht kooperieren, werden wir sie strafrechtlich belangen. Wir möchten, dass sich auch die NGOs an diesen Umweltarbeiten beteiligen, damit ggf. über deren Umwelt-Projekte finanzielle Mittel in sehr arme Bauerngebiete fließen können. Die Sojabauern sollten zumindest etwas von ihrem Erlös in den Umweltschutz einfließen lassen und Teilaufforstungen vornehmen.
Projekt „Soberanía“. Ich habe es aus verschiedenen Gründen so genannt. Im Verwaltungskreis Alto Paraguay machten wir einen Großeinsatz und bewirkten, dass die Brasilianer - die wegen der günstigen Landpreise, der Bodenqualität usw. die Ländereien schon zu 90% aufgekauft und Wälder größtenteils für Weidengewinnung abgeschlagen hatten – als Ersatz die gleiche Flächenmenge wie die, die sie zerstört haben, am Rande des Nationalparks Río Negro aufkauften, aufforsteten und ein Spital für die arme Bevölkerung bauten, an einem Ort wo es im Umkreis von 150 km keines gibt.
Ich habe ja kein Interesse daran, Geschäftsleute ins Gefängnis zu stecken, ich will nur, dass sie die Gesetze einhalten und die Umwelt schonen, indem sie nachhaltige Bodennutzung betreiben. Diese Brasilianer – auch Brasiguayos genannt – dringen auch kulturell mit Sprache und Gebräuchen immer tiefer in unser Land ein und schmuggeln das Holz und andere Landeserzeugnisse aus dem Land und Schwermaschinen für die Landarbeit ein, ohne dass SEAM, Landespolizei oder das Zollamt ein Interesse daran zeigten, die ihnen obliegenden Pflichten zu erfüllen. Wir hoffen, dass mit der Erschaffung des neunen Forstinstitutes „INFONA“ das Forstgesetz befolgt und die korrupten Unregelmäßigkeiten ein Ende finden.

Kommentar

...

  • Werbeanzeigen